Ein Kätzchen kommt selten allein

oder: Wenn nichts mehr hilft außer Homöopathie

Wir hatten unseren Papa überredet ein Perser-Mix Katerchen zu „adoptieren“ das jedoch frühestens mit 8 Wochen von seiner Mutter und den Geschwistern getrennt werden sollte. Marlene war schon ganz aufgeregt und konnte es fast nicht mehr erwarten den kleinen endlich nach Hause holen zu dürfen. Um ihr die Zeit etwas zu „versüßen“ fuhren wir einmal wöchentlich zu „Shadin“, den sie beim Spielen mit seinen Geschwistern beobachten und so näher kennen lernen durfte. Bei jedem Besuch wurde uns das Herz ein wenig schwerer, denn wir fragten uns wie es dem kleinen wohl in seinem neuen Zuhause mit 3 älteren Samtpfoten, ohne gleichaltrige Spielgefährten, gefallen würde. Schließlich kam uns der Gedanke unseren Papa zu überzeugen, dass wir unbedingt ein zweites Katzenbaby als Spielgefährten für „Shadin“ bräuchten. Dies bedurfte einiger Überredungskünste und schließlich ließ er das Argument gelten, dass wir auf unserem Amaro Hof viel zu viele Mäuse hätten und 4 Katzen mit dem Fangen total überfordert wären.

Auf der Suche nach dem passenden Kameraden führte unser Weg diesmal in überfüllte Tierheime, Katzenauffangstationen und in eine Arztpraxis, die sich kranker Streuner annahm. Hautnah erlebten wir das Elend herrenloser Katzen jeden Alters und wir sahen wie ehrenamtliche Helfer ihre Freizeit für diese Tiere opferten. In einer Tierarztpraxis entdeckten wir ein kleines, struppiges Häufchen Elend, das uns aus rot entzündeten Augen durchdringend ansah und uns seine dürren Ärmchen zwischen den Gitterstäben entgegen streckte. Wir erfuhren, dass der kleine ein Findelkind mit massiven Katzenschnupfen war, das nicht selber fressen konnte und mit seinen 16 Wochen auch noch nicht stubenrein war. Er tat uns furchtbar leid, aber wir glaubten mit der Pflege eines so kranken Tieres, das obendrein zwangsernährt werden musste, überfordert zu sein. Wir trauten es uns einfach nicht zu und gingen, zwar mit schlechtem Gewissen, einfach weiter …

Bei ATTIS Tierhilfe wurden wir schließlich fündig. Ein kleiner roter Stubentiger hatte sich Marlene ausgesucht und sprang ihr buchstäblich in die Arme. Uns war sofort klar, dass dieser mutige „Aslan“ das zweite Kätzchen war, nach dem auch wir gesucht hatten.

Endlich war es so weit. Zwei Wochen später holten wir beide Katzenkinder am gleichen Tag zu uns nach Hause und gewöhnten sie erst an Marlenes Zimmer, in dem bereits leckeres Futter auf sie wartete. Die zwei Katerchen verstanden sich von Anfang an prima, fraßen, tobten und schliefen zusammen und fühlten sich in Ihrem neuen Zuhause sichtlich wohl. Die Eingewöhnung mit den älteren Katzen verlief ebenfalls total reibungslos und wir waren so glücklich darüber, dass alles so gut klappte bis uns ein Telefonanruf von unserer „Wolke 7“ herunterholte.

Eine Dame von ATTIS Tierhilfe rief bei uns an, um nach zu fragen, ob wir nicht vielleicht ein weiteres Kätzchen aufnehmen könnten. Das kleine Katzenschnupfen Katerchen aus der Arztpraxis hätte während der letzten drei Wochen auf keinerlei Antibiotika angesprochen und fraß noch immer nicht selbständig. Sein gesundheitlicher Zustand wollte sich einfach nicht bessern und da es so nicht vermittelbar war, sollte es heute eingeschläfert werden, es sei denn es fände sich doch noch ein Interessent.

Ich versprach der Dame es mir bis nachmittags zu überlegen und legte auf. Angespornt von einem äußerst flauen Gefühl in der Magengegend rief ich bei unserer klassischen Homöopathin für Tiere an und schilderte ihr den Gesundheitszustand des Schnupfenkaters der die letzten 3 Wochen isoliert in einem Einzelkäfig verbracht hatte und erfolglos mit Antibiotika behandelt worden war. Ich bräuchte wegen einer Ansteckungsgefahr keine Bedenken zu haben und sollte den kleinen Patienten ruhig mit den gesunden Welpen zusammen lassen, damit er Gesellschaft hätte und von ihnen lernen könnte. Marlene und ich müssten uns ihm gegenüber wie Katzenmütter benehmen und ihm alles beibringen, auch wie man selber frisst. Der Katzenschnupfen selber sei nicht so schlimm, diesen könne sie auf jeden Fall mit homöopathischen Mitteln lindern, meinte Frau Wetteroth und sie sollte wie immer recht behalten. Es klang alles sehr einleuchtend und gar nicht so schwierig. Wir hatten nur ein kleines Problem: Wie sagen wir es unserem Herrn Papa? Das Katerchen war ja so winzig, vielleicht würde es unter den genehmigten Welpen gar nicht auffallen… Man könnte es ja beispielsweise auch nur vorübergehend bei uns pflegen und später zur Vermittlung freigeben… Zu guter Letzt kamen wir zu dem Entschluss die Nerven unseres Familienoberhauptes zu schonen und ihm vorläufig gar nichts zu sagen. Im Übrigen hatten wir jetzt keine Zeit für endlose Diskussionen. Dies war schließlich ein echter Notfall, denn hier ging es nicht nur um irgendeinen lächerlichen Schnupfen, sondern um Leben und Tod…!

Eine Stunde später waren wir bereits stolze Besitzer eines 3. Katzenwelpens. Als wir den kleinen „Sergio“ Zuhause näher untersuchten wurde es uns doch ein wenig mulmig zu Mute. Ein echter „Hingucker“ war er nicht gerade mit seinen rot entzündeten Augen, der triefenden Nase und dem mit Rotz verklebten Fell. Deshalb taten wir, was jede vernünftige Mutter in so einem Falle erst mal tun würde, nämlich ihn putzen, allerdings wie eine Menschenmutter, mit Wasser und Seife. Der kleine war so k. o., dass er alles brav über sich ergehen ließ.

Danach gab es homöopathische Medizin genau nach Plan und dann war Abendessen angesagt. Sergios Essmanieren ließen uns fast verzweifeln. Es mussten Spritzen, natürlich ohne Injektionsnadeln, mit Katzenfutter aufgezogen und ihm ins Mäulchen eingegeben werden. Mit sanfter Stimme und liebevollen Streicheleinheiten saßen wir vor dem Winzling und murmelten die Zauberworte: „Schön schlucken, schön schlucken…“

Um ihn an selbständiges Fressen zu gewöhnen, probierten wir verschiedene Futtersorten aus und stellten die Schüsseln auf kleine Podestchen, weil er ja immer mit erhobenen Kopf gefüttert worden war. Sergio blieb aber stur: ohne Spritze von oben ging gar nichts! So saß er einige Tage zwischen den anderen Katerchen, die brav aus den Näpfen fraßen und verlangte 5 mal täglich seine Futterspritzen direkt ins Maul. Wir hatten ständig Angst, dass er womöglich zu wenig gefressen hätte und setzten ihn immer wieder zur Kontrolle auf die Küchenwaage.

Freunde, die uns beobachteten machten uns wenig Hoffnung und waren sogar davon überzeugt, dass er die nächsten Wochen wahrscheinlich nicht überleben würde. Wir wollten uns mit so einer Unkerei aber nicht abfinden und nahmen uns noch mehr Zeit beim Füttern. Wir ließen Sergio lange an der Spritze riechen und warteten bis er so hungrig wurde und endlich Tröpfchen für Tröpfchen selber von der Spritze ableckte, die wir dann immer tiefer hielten bis sie endlich im vollen Fressnapf am Boden lag. Am 4. Tag begann er tatsächlich das Futter ganz tief aus dem Schüsselchen selbständig zu fressen, hörte aber sofort auf, sobald die Spritze weggenommen wurde. Wochenlang fraßen unsere 3 kleinen Herren gemeinsam aus einem Futterschälchen, das stets mit einer leeren Spritze garniert war.

Anfangs wollte Sergio mit den anderen gar nicht gerne spielen und verkroch sich nach dem Füttern lieber allein in die Backröhre des alten Holzofens. Doch als nach fast 4 Wochen der Schnupfen immer leichter und die Augen immer klarer geworden waren, begann Sergio aufzuleben und war für jeden Blödsinn zu haben. Zu dritt wurde gespielt, gerauft, Futter vom Tisch geklaut, gekuschelt und geschlafen.

Ob Sergio ganz gesund wurde? Gesund ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Ich würde ihn als „übergesund“ bezeichnen. Seine großen strahlenden Augen sind total klar. Ganz selten niest er noch ein wenig und bis heute scheint es als müsste er 19 Wochen Kindheit (fast ausschließlich nur die Pubertät) und ein gigantisches Futterdefizit täglich aufs Neue nachholen. Sergio hält uns ganz schön auf Trab. Still sitzen ist für ihn ein Fremdwort. Entweder tobt er mit den anderen Tieren oder sitzt genüsslich an der Futterschüssel. Wahrscheinlich müssen wir wieder anfangen ihn zu wiegen, aber diesmal nicht aus Angst vor seinem unmittelbar bevorstehenden Hungertod, sondern um sein kugelrundes Bäuchlein zu kontrollieren.

Er ist ein total verschmuster Kater geworden, der mit seinem Charme Mensch und Tier um den Finger wickelt, besonders unseren lieben Papa. Nach 6 Wochen homöopathischer Behandlung hatte sich Sergio von einem halbverhungerten Häufchen Elend in einen selbstbewussten wunderschönen Kater verwandelt, der nur so vor Energie strotzt, sodass wir ihn des Öfteren in die Schranken weisen müssen, vor allem wenn sich der quirlige Kerl mit unserem Herdenchef Rubin anlegt. Kurz gesagt, er steht voll im Leben und hat sich zu einem richtigen Traumkater entwickelt und für uns ist er ein echtes Geschenk des Himmels für das wir sehr, sehr dankbar sind.

PS: Gelernt hat Sergio von seinen Katzenbrüdern tatsächlich auch eine ganze Menge, wie man beispielsweise einen Vorhang ruck zuck hochklettert oder einen Ficus Benjamini in kürzester Zeit halbiert. Was er allerdings ziemlich sicher noch nicht kann ist lesen und das ist eigentlich auch nicht weiter tragisch. Diese Tatsache beweist aber, dass homöopathische Mittel sehr wohl wirken und die Heilung dieses massiven Katzenschnupfens also nicht auf einen Placeboeffekt zurückgeführt werden kann. Sergio konnte weder die Packungsbeilagen der Medikamente durchlesen, noch wusste er, dass in seinem Futter immer wieder Globulis versteckt waren. Ein erfahrener klassischer Homöopath, mit solider Ausbildung kann sehr wohl auch schwere Krankheiten lindern und heilen, in Sergios Fall war die Schulmedizin an ihre Grenzen gekommen und die Homöopathie hatte bewiesen, dass es sich bei dieser Heilkunst nicht um einen Rückschritt ins Mittelalter, sondern ganz im Gegenteil um eine Medizin der Zukunft handelt.

Angela Mayr

 

Warum wir die Medikamente nicht namentlich erwähnen: 

Es gibt kein homöopathisches Allroundmittel für Katzenschnupfen, das man jeder Schnupfenkatze einfach so verabreichen kann. Im Gegensatz zur Schulmedizin wird bei der klassischen Homöopathie jeder einzelne Patient ganzheitlich betrachtet. Es kann durchaus vorkommen, dass mehrere Tiere an der gleichen Krankheit leiden aber unterschiedliche Medikamente verabreicht bekommen, weil sie unterschiedliche Symptome zeigen.

Der klassische Homöopath beobachtet genau und sucht dann das passende Mittel zum momentanen Krankheitsbild speziell für jeden einzelnen Patienten heraus. Manche Schnupfenkatzen leiden vermehrt unter eitrigem Dauerausfluss an Augen und Nasenlöchern, der die Gesichtshaut angreift, die dann bei der kleinsten Berührung (beispielsweise beim Reinigen) zu bluten beginnen kann. Andere frieren stark und verkriechen sich an warme Plätze. Wiederum andere werden von hartnäckigem Niesen gequält, bei dem jedes Mal Eiterpfropfen unter hohem Druck aus dem Körper ausgeschieden werden.

Bei Sergio spielte sogar die Psyche eine große Rolle. Die ersten Heilungserfolge stellten sich bei ihm erst ein, als wir herausfanden, dass er nicht allein und nur im Hellen fressen wollte. Diese Ängste vor dem Alleingelassen werden im Dunkeln waren für die Homöopathin ein entscheidender Hinweis auf das nächste Folgemittel.

Was jedoch bei der Pflege aller Schnupfenkatzen unbedingt beachtet werden muss ist die Hygiene. Eitrige Flüssigkeit, die ausgeschieden wird ist aggressiv und greift die Haut an. Entzündete offene Stellen im Gesicht sind nicht selten die Folge. Deshalb muss jeder Ausfluss unbedingt vorsichtig abgewaschen und die offenen Stellen evtl. mit Babycreme (beispielsweise Wundcreme von Weleda) geschützt werden. Der Ausfluss aus Sergios Augen war so stark, dass wir anfangs tagsüber alle 2 – 3 Stunden die verklebten Augen mit einem feuchten Tuch vorsichtig „aufweichen“ mussten damit er überhaupt wieder seine Augen öffnen konnte. Hierfür verwendeten wir eine Mischung aus Euphrasia Urtinktur (= Augentrost in Alkohol darf niemals unverdünnt angewendet werden!!!) – 20 Tropfen auf eine Tasse mit abgekochtem Wasser. Auf keinen Fall darf Kamillentee ans Auge!!! Dieser greift nicht nur die Augen an sondern kann diese unter Umständen gänzlich schädigen. Ich habe Katzenschnupfenbabys ohne Augen gesehen, die von ihren Besitzern über längeren Zeitraum mit Kamillentee behandelt wurden. Natürlich müssen auch Schlaf- und Fressplatz täglich gereinigt werden. Es empfiehlt sich Decken oder Handtücher ins Katzenkörbchen zu legen, die man einfach täglich wechseln und waschen kann.

Sergio wurde von Frau Wetteroth, der Leiterin der Tierheilpraktiker Schule für klassische Homöopathie Scolaanimilia Deutschland behandelt. Eine Liste von praktizierenden klassischen Homöopathen dieser Schule findet man unter www.scola-animilia.de