Eine Kutschenfahrt mit schwerwiegenden Folgen

Fuchs Wallach Rubin im vollen Galopp mitten in seiner Herde. Kaum zu glauben, dass er einige Wochen vorher wegen eines Unfalls hätte eingeschläfert werden sollen. Wie ihm doch noch geholfen werden konnte, lesen Sie hier. 

Eine Kutschenfahrt zum 18. Geburtstag ist schon etwas Besonderes, schließlich ist ja auch jeder 18. Geburtstag ein großes Ereignis, das es gebührend zu feiern gilt. So ließ ich

mich von meiner Tochter, die bereits seit 5 Jahren das deutsche Fahrabzeichen (Zweispänner) besaß, überreden, unseren Herdenchef Rubin als Geburtstags-Kutschenpferd zu verleihen, denn es war seine liebe Reitbeteiligung, die damals volljährig wurde.“Bringt ihn mir aber unbedingt wieder gesund zurück.“ Sie brachten mir Rubin wieder zurück, jedoch in einem schockierend schlimmen Zustand…

„Wollen sie das Tier nicht lieber gleich erlösen?“

Rubin, ein ehemaliger Traber, lief traumhaft vor dem Sulky. Als er allerdings nach der gelungenen Geburtstagsfahrt ausgeschirrt wurde, erschrak er genau in dem Moment, als eins der Mädchen das Kopfstück abgenommen und das Halfter noch nicht übergezogen hatte. Er raste mit dem Sulky aus dem Hof und überschlug sich damit auf der Straße. Wir alarmierten sofort den Tierarzt. Als dieser eintraf und das Pferd, das mit Wunden übersät da stand, untersucht hatte, fragte er mich: „Wollen sie das Tier nicht lieber gleich erlösen?“

Ich war wie versteinert und unfähig zu sprechen. Genau in diesem Moment beugte sich Rubin vor und schnappte sich ein Maul voll Heu aus der Futterraufe. Ich dachte nur noch, er will fressen, er will leben und da sprudelte es aus mir heraus: „Nein, bitte nicht!“

Bevor Rubin zur Untersuchung in die Klinik gebracht wurde riefen wir unsere klassische Homöopathin an und schilderten Rubins Zustand. Er bekam sofort die ersten Notfall Medikamente nach Plan. Auf den Röntgenbildern konnte man zwar keine Frakturen sehen, aber sein rechtes Karpalgelenk war schwer verletzt und offene Wunden an einem Gelenk, das ständig in Bewegung ist, heilen oft nicht so gut. Wir entschieden uns dafür, das Pferd zur vorläufigen Kontrolle und Erstversorgung einige Tage in der Klinik zu lassen.

Vom gewohnten Offenstall in eine Krankenbox ohne Herde

Da Rubin plötzlich allein in einer fremden Umgebung eingesperrt war, besuchten wir ihn täglich. Wir brachten ihm Zweige, die mit Karotten und Äpfeln geschmückt waren, und hängten diese in seiner Box auf, damit er etwas zu tun hatte und nicht nur traurig da stand. Er sollte sehen, dass wir ihn schätzten und alles tun wollten, damit es ihm gut geht. Ich bin überzeugt, dass solche „Aufmerksamkeiten“ die Heilung fördern, sie signalisieren dem Tier, dass es sich lohnt weiter zu leben, denn es gibt gutes Futter und Menschen die es ganz arg lieben.

Endlich wieder daheim

Die Wundversorgung wollte ich mit den Kindern zu Hause selber machen und deshalb trennten wir für das schwerverletzte Pferd einen kleinen Bereich auf dem Paddock ab, sodass Rubin zwar die anderen Herdenmitglieder sehen, aber von keinem getrieben werden konnte. Beim ersten Verbandswechsel sollte unbedingt unser Tierarzt mit dabei sein, um uns die notwendigen Anleitungen und Tipps geben zu können, schließlich wollten wir alles richtig machen. Die medikamentöse Weiterbehandlung sollte jedoch durch unsere klassische Homöopathin erfolgen. Als ich zum ersten Mal das offene Karpalgelenk sah, wurde mir ziemlich flau in der Magengegend und ich zweifelte schon an meinem Entschluss, die Wundversorgung selbst in die Hand nehmen zu wollen. Ob das wohl gut geht, nur mit klassischer Homöopathie, ohne Antibiotika und obendrein alles im nicht gerade keimfreien Offenstall. Vor dem freundlichen Tierarzt ließ ich mir jedoch nichts anmerken und beobachtete jeden seiner Handgriffe genau. Kaum war er weg und Rubin erst mal versorgt, rannte ich zum Telefon um unserer klassischen Homöopathin den aktuellen Stand der Dinge mitzu teilen. Ich schilderte Rubins Allgemeinzustand, das ganze Ausmaß der offenen Verletzung am rechten Vorderbein, die Farbe der Absonderungen und deren Geruch. All dies wurde bei der Mittelwahl berücksichtigt, die der so geduldige Patient in den nächsten Tagen verabreicht bekam. Und noch etwas: Vor dem Verbandanlegen sollte ich unbedingt darauf achten, den hinteren Bereich des Karpalgelenkes gut abzupolstern, um keine Nerven einzuklemmen oder gar abzudrücken, was zu einer nicht reparablen Lahmheit führen könnte!

Anfangs wurden die Verbände alle zwei Tage gewechselt. Es war jedes Mal eine unwahrscheinliche Tortur für unseren lieben Herdenchef. Die offene Wunde musste nämlich jedes Mal gereinigt und mit verdünnter Calendula Urtinktur gespült werden. Es tat mir immer im Herzen weh, wenn Rubin beim Verarzten seines Beines zuckte und aufstöhnte, aber trotzdem brav stehen blieb. Im gleichen Ausmaß wie die kleineren offenen Wunden und Prellungen am Rücken abheilten, schwoll ein riesiger Bluterguss am rechten Hinterbein an, der erst nach 10 Tagen seine volle Größe erreicht hatte. Es schien, als würden sich die Flüssigkeiten aller Schwellungen des Rückenbereiches wie in einem Trichter darin sammeln.

Zwei Wochen später begann sich wildes Fleisch am Karpalgelenk zu bilden und es sah aus, als wären Maiskörner in die Wunde gestreut worden. Die klassische Homöopathin entschied sich dafür, den Verband vorerst wegzulassen damit Luft an die Verletzung konnte, und diese mit spezieller Heilerde zu bestreichen. Gleichzeitig wurden die Potenzen der verabreichten Medikamente geändert. Als ich vier Stunden später nach dem Pferd sah, bekam ich einen riesen Schreck, weil die Wunde plötzlich furchtbar blutete. Wieder raste ich zum Telefon um dies der Heilpraktikerin mitzuteilen. Sie beruhigte mich und erklärte, dass nun die Wunde zu „arbeiten“ anfangen und der „Dreck“ aus den tieferen Hautschichten herausgespült würde. Ich dachte nur: „Möge dieser Kelch bitte möglichst bald an uns vorüber gehen!“
Foto: der Bluterguss am rechten Bein, zehn Tage nach dem Unfall

Eigentlich hatten wir wahnsinniges Glück im Unglück, denn Ende Februar waren kaum Stechmücken, Fliegen oder sonstige Parasiten unterwegs um ihre Eier in der sabbernden Wunde abzulegen. Ich wischte also nur vorsichtig alles Blut ab und deckte die Verletzung erneut mit der Heilerdenmischung zu. Ich konnte es am nächsten Morgen erst gar nicht glauben, als ich in den Stall kam. Unter dem grünen Lehm, der mit homöopathischen Mitteln vermischt war, hatte sich nun endlich eine schützende Kruste über der Wunde gebildet. Rubin ging es immer besser und er wollte unbedingt zu seiner Herde auf der anderen Seite der Absperrung. Zwei Tage später ließ ich ihn endlich wieder zu den anderen Pferden. Durch die ständige Bewegung schien die Heilung in Windeseile fortzuschreiten und auch der gigantische Bluterguss am rechten Hinterbein begann zu schrumpfen. Der heilende Lehm wurde weiterhin täglich erneuert.

Immer wieder beobachtete ich, wie Rubin duldete, dass die Fohlen an seinem Bein Sekret und Heilerde weg schleckten. Sieben Wochen nach dem Unfall war von der Verletzung am Karpalgelenk nur noch eine daumenbreite, haarlose Stelle zu sehen und auf der rasierten Haut um die ehemalige Wunde war sogar wieder Fell gewachsen. Pünktlich zur Weidesaison hatte sich Rubin so erholt, dass er wie jedes Jahr im rasenden Galopp seine Herde auf die Koppel führen konnte und zwar nicht etwa hinten oder in der Mitte, nein, so wie es sich für einen echten Herdenchef gehörte, nämlich als schnellster und vor allem ganz vorn.

 

Anmerkung zur Wirkungsweise von homöopathischen Mitteln

Rubin ist ein wahrer Bilderbuch-Herdenchef. Er kann unwahrscheinlich viel. Die Palette reicht vom traumhaften Tölten bis in zu kleinen Zirkuslektionen, wie „Kompliment vorführen“. Eines kann er bis heute allerdings noch immer nicht, nämlich lesen, und das ist auch nicht weiter tragisch. Dies beweist aber, dass es sich bei seiner schnellen Genesung nicht um einen Placebo-Effekt handeln kann. Rubins wusste weder, dass in seinem Futter immer wieder Globulis (homöopathische Medikamente in Forma von Streukügelchen) versteckt waren, noch konnte er die Packungsbeilagen lesen. Für mich war dieser erstaunliche Krankheitsverlauf ein erneuter Beweis, dass es sich bei klassischer Homöopathie nicht um einen Rückschritt ins Mittelalter, sondern tatsächlich um eine Medizin der Zukunft handelt.

Warum wir die Medikamente nich namentlich erwähnen

Eine homöopathische Behandlung gehört unbedingt in die Hände eines erfahrenen klassischen Homöopathen mit solider Ausbildung. Es wäre verantwortungslos, die Medikamente selbst zu verabreichen um Heilpraktiker-Kosten zu sparen. Es gibt beispielsweise keine Allroundmittel zur Heilung großer offener Wunden. Die Heilmittel werden immer auf den momentanen Zustand und die aktuellen Symptome des Patienten abgestimmt. Es kann z.B. vorkommen, dass Patienten, die an der gleichen Krankheit leiden, trotzdem unterschiedliche Mittel verabreicht bekommen, weil sie unterschiedliche Symptome zeigen. Ein Bluterguss, der hoch berührungsempfindlich ist, wird anders behandelt als beispielsweise einer, der ohne Weiteres abgetastet werden darf. Ebenso weist eine Lahmheit, die sich durch vorsichtiges Bewegen etwas bessert, auf ein anderes Mittel hin, als eine, bei der das Pferd nur noch ruhig stehen möchte. Diese feinen Unterschiede erkennen und aus hunderten von Potenzen die richtige auszuwählen, ist sicher nicht einfach und setzt deshalb ein Intensives Studium mit großem Wissen voraus. Heilpraktiker arbeiten oft sehr unterschiedlich. Rubin wurde von einer erfahrenen klassischen Homöopathin behandelt.

Angela Mayr