Wie uns ein blindes Kätzchen die Augen öffnet

Vor kurzem erschraken wir sehr, als wir unsere Bonny beobachteten. Ihre Augen sahen plötzlich überdimensional groß und gespenstisch aus und Bonny stieß sich überall den Kopf an.

Befund: Netzhautablösung

Angangs meinte die Ärztin, es bestehe eine Chance, dass Bonny wieder sehen kann, deshalb versuchen wir neben der Medikamentengabe (die bei ihr leider nicht ganz so einfach von statten geht) alles, damit sie sich freut und wohl fühlt, um die Genesung zu unterstützen. Auf ihren Lieblingsschlafplatz mussten wir sie hochheben. Dies zeigte sie uns durch lautes Miauen vor dem Schlafsofa. Sobald sie hochgehoben wurde, schnurrte Sie genüsslich und genoss ihre Streicheleinheiten.

Niederschmetterende Nachricht

Als wir den aktuellen Befund der Klinik bekamen waren wir zunächst mehr als geschockt, denn es bestand bis dahin ja immer noch die Hoffnung, dass Bonny wieder sehen könnte.

Die kleine Katze hat aber offensichtlich ihr Augenlicht nun endgültig verloren. Nach so einer Hiobsbotschaft bricht für einen Tierhalter eine Welt zusammen und man fühlt sich total hilflos und traurig ohne Ende. Bonny kam bereits mit Ataxie (Störungen des Bewegungsapparates) zur Welt, wurde nach einer massiven Ohrenentzündung taub und nun nach einer Netzhautablösung, aus unerklärlichen Gründen, blind. Was für ein Schicksal für ein junges Tier? Bereits in der Klinik stellte sich die Frage: Kann die kleine überhaupt noch irgendwelche Lebensfreude empfinden?

Nach dem Tierarztbesuch Zuhause angekommen widmeten wir Bonny viel Zeit, beobachteten sie und wurden von ihr eines besseren belehrt.

Kaum war sie in ihrer gewohnten Umgebung begann unser Stubentiger, vorsichtig in der Wohnung umher zu streichen. Anfangs stieß sie sich den Kopf am Türstock und am Schrank an, fand aber auf Anhieb das Katzenklo und ebenso rasch ihr Futter das sie genüsslich vertilgte. Anschließend suchte sie ihren Lieblingsplatz. Wir halfen ihr anfangs noch aufs Sofa und hatten ständig Angst, dass sie vielleicht herunterfallen könnte. Mittlerweile springt sie äußerst geschickt alleine hoch und klettert ganz vorsichtig herab. Sie genießt jede Streicheleinheit und quittiert dies mit einem genüsslichem lauten Schnurren.

Bonny hat auch ihre  Neugierde nicht verloren. Sobald die Wohnungstüre etwas offen steht, marschiert unser blinder Stubentiger hinaus und erkundet zielstrebig den Hausgang. Offensichtlich verlässt sie sich dabei auf ihre Barthaare und ihren Geruchssinn.

Wichtige Lektion

Von Bonny haben wir gelernt, nicht ständig mit dem Schicksal zu hadern und traurig über Handicaps zu sein, die man ohnehin nicht mehr rückgängig machen kann, sondern einfach aus der momentanen Situation versuchen, das Beste draus zu machen. Bonny freut sich über so vieles, wie Streicheln, Futter aus der Hand fressen und ganz besonders nachts die Nähe zu ihren Menschen finden, bei denen sie dann behaglich schläft. Diese Gemeinsamkeit im Dunkeln zu spüren ist ein gutes Gefühl für uns alle.

Wir lieben Bonny, so wie sie ist und hoffen, dass sie das gleiche für uns empfindet.